Städt. Realschule
an der Mellinghofer Straße
Mülheim an der Ruhr
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Ist die Realschule nur der Kompromiss zwischen Hauptschule und Gymnasium?

Text aus der Handreichung "DIE WAHL DER WEITERFÜHRENDEN SCHULE" (externer Link, pdf-Datei, www.schulpsychologie.de)

Das würde der Realschule nicht gerecht. Eine eindeutige Besonderheit dieser Schulform ist, dass einerseits – im Gegensatz zur Hauptschule – Französisch als zweite Fremdsprache angeboten wird, aber erstmal «zur Probe« in der Klasse 6. Wer mit der Sprache zurechtkommt, wählt sie danach als reguläres Fach; wer aufgrund seiner Begabungsstruktur Probleme mit der zweiten Fremdsprache hat, wählt dagegen einen anderen Neigungsschwerpunkt. 
Damit ist die Realschule auch für naturwissenschaftlich sehr begabte Kinder oft der bessere Weg, denn mit der Fachoberschulreife und dem breiten Bildungsangebot danach gibt es Wege zu einem Studium oder einer vergleichbaren Ausbildung, die den Fähigkeiten dieser Jugendlichen besser gerecht werden.

Worin unterscheidet sich die Realschule weiter vom Gymnasium?

Das Lernen dort ist strukturierter (in Absetzung von der im Gymnasium geforderten Selbständigkeit). Strukturierter heißt nicht automatisch einfacher, aber der Stoff wird in kleineren Einzelschritten und mit konkreteren Anweisungen dargeboten. Man könnte auch von einem «engeren Korsett» sprechen; wie beim richtigen Korsett bringt das für manche Menschen eher Einschränkungen, während es anderen Menschen Struktur, Halt und Orientierung bietet. Dazu ein Beispiel: Gelegentlich hört man “Auf der Realschule gibt es mehr Hausaufgaben als am Gymnasium.” Falsch und richtig zugleich! Es kommt auf die Betonung an. In der Tat kann es sein, dass auf der Realschule scheinbar mehr Hausaufgaben aufgegeben werden, aber das deshalb, weil die Kinder die zu bearbeitenden Inhalte konkret als Hausaufgaben bekommen, während das Gymnasium möglicherweise voraussetzt, dass die Kinder bzw. Jugendlichen sich auf eigene Faust vertiefend mit dem Stoff befassen.

Und tendenziell ist die Ausbildung zumindest in einzelnen Bereichen an der Realschule schon noch «Real»-er, also mehr an den praktischen Anforderungen einer Lehre oder Fachoberschule orientiert. Im Fach Mathematik z.B. wird es in der Realschule seltener um Ableitungen oder Beweise gehen, sondern öfter um anwendungsorientierte mathematische Techniken.

Deshalb kann man die Realschule nicht als Kompromiss zwischen Hauptschule und Gymnasium bezeichnen — und schon gar nicht als faulen Kompromiss! Sie ist vielmehr eine eigenständige Schulform mit einer besonderen Art der strukturierten Wissensvermittlung.

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